Ingenieurhydrologie und Wassermengenwirtschaft

News

Karl-Girkmann-Medaille an Univ. Prof. DI Dr. Dr. Dieter Gutknecht


Dekan Blab überreicht Prof. Gutknecht die Karl Girkmann Medaille

Laudatio von Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Günter Blöschl:

Sehr geehrter Herr Dekan, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Brigitte, lieber Dieter

Univ. Prof. DI Dr. Dr. Dieter Gutknecht erhält die Karl-Girkmann-Medaille für sein aktives Wirken als Universitätsprofessor der Fakultät für Bauingenieurwesen sowie für seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen und Verdienste.

Prof. Gutknecht gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Hydrologie in Österreich. Die von ihm entwickelten Modelle zur hydrologischen Vorhersage von Hoch- und Niederwässern und ihre praktische Umsetzung in operationelle Wasserstands- und Abflussvorhersagen werden mittlerweile an allen großen österreichischen Flüssen wie Drau, Gail, Salzach, Inn und Donau eingesetzt. Die österreichische Elektrizitätswirtschaft verwendet diese Vorhersageverfahren für die Einsatzplanung ihrer Wasserkraftwerke und für Entscheidungen beim Stromhandel.

Unter seiner wissenschaftlichen Leitung wurden am Institut für Hydraulik, Gewässerkunde und Wasserwirtschaft an der TU Wien eine Vielzahl von Projekten im Auftrag von und in Zusammenarbeit mit Bundesministerien, Landesregierungen, der Wildbach- und Lawinenverbauung und Kraftwerksgesellschaften durchgeführt. Weiters wurden Arbeiten zur Grundlagenforschung mit Finanzierung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie der Europäischen Union ausgeführt.

Durch seine grundlegenden Arbeiten mit Ingenieurbezug wurde Dieter Gutknecht über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Der Kern seiner Leistungen besteht daraus, neue Methoden zu entwickeln, und diese für die Praxis anwendbar zu machen. Beispielsweise entwickelte er Bayes’sche Methoden für die Hochwasservorhersage. Eine besondere Neuerung ist der Prozessbezug seiner Arbeiten. Während zuvor Bemessungshochwässer für Talsperren ausschließlich mit statistischen Methoden ermittelt wurden, gehen seine Ansätze direkt auf die im Einzugsgebiet wirksamen Abflussvorgänge ein. Dies ermöglicht eine wesentlich höhere Genauigkeit und eine bessere Extrapolierbarkeit auf Extremereignisse. Er beschäftigte sich mit den Austauschvorgängen zwischen Oberflächengewässern und Grundwasser und der Änderung der Flusssohle der Donau sowie dem Transport von Nährstoffen im Einzugsgebiet als Basis für ein zuverlässiges, integriertes Flussgebietsmanagement.

Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er in etwa 150 Publikationen im In- und Ausland, wofür er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Beispielsweise wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Er erhielt auch die Dub-Medaille der Slowakischen Technischen Universität Bratislava.

Ein wichtiges Anliegen war und ist Dieter Gutknecht die Lehre und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seine mehr als 30 jährige Lehrtätigkeit an der TU Wien umfasst eine breite Palette von Fächern im Bereich der Hydrologie, Hydraulik und Wasserwirtschaft in Studiengängen des Bauingenieurwesens und benachbarter Fächer. Dabei vermittelte er nicht nur Methoden zur Problemlösung sondern auch den ingenieurmäßigen, prozessbezogenen Zugang, damit Studierende auch weiterführende Fragestellungen selbständig lösen können. Zudem war er im gemeinsamen Studium Bauingenieurwesen mit der University of Architecture, Civil Engineering and Geodesy, Sofia, sehr aktiv tätig, sowie im weiterbildenden Studium Wasser und Umwelt mit der Universität Hannover. Er leitete zahlreiche Hochschulkurse an der TU Wien für postgraduale Weiterbildung, sowie einen der ersten Hochschulkurse an der TU zum Thema hydrologische Statistik. Er war Betreuer oder Mitbetreuer von mehr als 30 Dissertationen, die meisten davon an der TU Wien. Dieter Gutknecht beteiligte sich unter anderem am Pilotprojekt des Mentoringprogramms der TU Wien von 2005 bis 2007. Im Rahmen dieses Programms wurden von den Mentorinnen und Mentoren die Erfahrungen mit wissenschaftlichen Netzwerken und mit den universitären Institutionen weitergegeben.

Professor Gutknecht war auch in der universitären Selbstverwaltung an der TU Wien und insbesondere an der Fakultät für Bauingenieurwesen aktiv tätig. Er war Mitglied der Nostrifizierungskommission, viele Jahre Vorsitzender der Studienkommission für Bauingenieurwesen und Mitglied der Universitätsversammlung. Fast zwanzig Jahre war er als Institutsvorstand tätig. Zudem koordinierte er sehr erfolgreich das Kooperationszentrum „Katastrophenvorbeugung und -management“ der TU Wien.

Neben diesem aktiven Wirken als Universitätsprofessor und seinen außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen ist Professor Gutknecht auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Gemäß dem TU Motto "Technik für Menschen" stellte er den Menschen in das Zentrum seiner Überlegungen und seines Handels. Dies wird etwa durch die von ihm häufig verwendete Formulierung "Die beste Investition ist eine Investition in Menschen" widergespiegelt. Er war und ist deshalb nicht nur als Forscher und Lehrer ein Vorbild für viele – auch für mich – sondern besonders auch als Mensch.

Ich möchte Dir, lieber Dieter, herzlich zur der sehr verdienten Auszeichnung gratulieren und wünsche Dir alles alles Gute.

Günter Blöschl